Wie richte ich mein Studium aus?

Wie richte ich mein Studium aus?

Bei dieser Frage soll indes nicht auf die thematische Ausrichtung Bezug genommen werden, allein weil sich zu diesem Problem aufgrund der schieren Fächervielfalt wenig beitragen lässt. Es kann lediglich empfohlen werden, weder in einer allzu alltäglichen Thematik – denn es sollte Aufmerksamkeit erregt werden – noch in einem zu ungewöhnlichen Fachgebiet zu vertiefen – denn die Spezialisierung in einer Disziplin mit bundesweit nur wenigen Professuren und auch abgesehen davon keinen überzeugenden Karriereaussichten wäre, wie bereits angemerkt, in berufsperspektivischer Hinsicht kontraproduktiv. Die besten Chancen verspräche es, sich einem Fachgebiet zu widmen, das als kommende „Modedisziplin“ absehbar ist. Hier jedoch gilt, wie bei der Studienwahl, dass derartige Entwicklungen nur schwer zu prognostizieren sind.
Das Hauptaugenmerk bei der Ausrichtung des Studiums sollte vielmehr auf Personen gerichtet sein. Dies bezieht sich indes weder auf Mitstudierende noch Mittelbau-Dozierende, sondern auf Professoren und Professorinnen, welche sich wiederum in „ordentlich“ und „außerplanmäßig“ (apl.) untergliedern: Während erstere einen Lehrstuhl mit allen finanziellen und personellen Mitteln besetzen, haben letztere trotz Titel zumeist lediglich eine Mittelbaustelle inne. Die Hinwendung zu einem Mitglied der zweiten Gruppe zahlt sich daher in der Regel nur aus, wenn die Person außergewöhnlich gut vernetzt und in der Lage ist, einem potentiellen Protegé aus anderer Quelle finanzielle Förderung oder eine Stelle zu vermitteln, da sie ihn häufig nicht aus regulären eigenen Mitteln anstellen kann.

Selbstverständlich ist auch Aufmerksamkeit gegenüber Mittelbau-Beschäftigten nicht fehlgeleitet, denn für diese liegt eine Berufung zum Professor häufig im Rahmen des Möglichen. Wie aber aus dem erwähnten Verhältnis von Mitarbeiter- und Professorenstellen abzulesen ist, hat nur der geringste Teil des Mittelbaus eine solche Zukunft vor sich. Es scheint demnach vorteilhafter, sich aus Sicherheits- und Vernunftgründen von vornherein einem „ordentlichen“ Mitglied der Professorengruppe zu widmen; es sei denn, es ist häufig abwesend und am Institut kaum greifbar. In diesem Fall kann die Annäherung, als Brücke zum eigentlichen Ziel, über einen zugeordneten Mitarbeiter bzw. eine Mitarbeiterin erfolgen.

Auch die Professorengruppe jedoch stellt sich keineswegs als homogene Statusgemeinschaft dar, weshalb nicht unbedingt die sympathischste oder mit dem subjektiv interessantesten Arbeitsgebiet befasste Person für eine Annäherung in Frage kommt. Ältere Professoren oder Professorinnen mögen zwar teilweise eine anerkannte Koryphäe auf ihrem Gebiet darstellen, doch ihr Einfluss und ihr Wille zur Einflussnahme schwinden häufig angesichts der baldigen Emeritierung.
Ist diese schließlich erreicht, zeigen sie sich nicht selten erleichtert, resigniert von jahrzehntelangen Machtkämpfen alle Brücken hinter sich abzubrechen. Von einer Persönlichkeit jedoch, die Forschung nur noch zu ihrer privaten Kurzweil betreibt und an Protegés und Einflussnahme nicht mehr interessiert ist, kann keine zufriedenstellende Förderung erwartet werden. Statt demnach fruchtlose Mühe darauf zu verwenden, eine alternde Koryphäe für sich zu gewinnen, sollte die Aufmerksamkeit einem jüngeren, aufsteigenden Professor bzw. einer Professorin zugewandt werden. Als Faustregel für die Altersgrenze kann dabei gelten, dass die verbleibende Dienstzeit mindestens das Zweifache der eigenen Studiendauer betragen muss. Immerhin soll die betreffende Person nicht nur für den Studienabschluss, sondern ggf. auch für Promotion und darüber hinaus zur Verfügung stehen. Die nötigen Informationen sind leicht aus der professoralen Vita zu extrahieren.
Das Ziel der Annäherung, die durch intensiv gezeigtes Interesse am entsprechenden Fachgebiet erreicht wird, ist eine Stelle als studentische Hilfskraft, die in vielen Fächern eine günstige Basis für weitere Karriereschritte bildet. Zugleich aber muss sichergestellt sein, in einer potentiellen Gruppe von „HiWis“ die führende Position einzunehmen. Sind an einem Lehrstuhl bereits Hilfskräfte beschäftigt, die die Uni nicht bald zu verlassen gedenken oder voraussichtlich nicht durch die eigene Leistung zu überstrahlen sein werden, so empfiehlt es sich, ein anderes Ziel ins Auge zu fassen, da die Förderungsmöglichkeiten stets begrenzt sind.
Ist die HiWi-Stelle erst erlangt, so gilt es auch weiterhin, den Professor oder die Professorin für sich einzunehmen. Kritik und Protest gegen unangemessene oder übermäßige Arbeit muss daher als äußerst unklug gelten. Ebenso sollte es unterlassen werden, Arbeitsstunden zu zählen und nicht über das bezahlte Pensum hinaus zu arbeiten. Stattdessen empfiehlt es sich, Arbeit und Bezahlung als voneinander unabhängige Größen zu betrachten. Das oberste Ziel liegt darin, sich unentbehrlich zu machen und seine Position als „erste“ Hilfskraft zu sichern.

Auch abseits dieser Tätigkeit muss jede Gelegenheit genutzt werden, die Präsentation der eigenen Person zu schulen. Eine gekonnte Selbstdarstellung nämlich kann als die Kompetenz gelten, welche sich auf dem weiteren Weg zur universitären Karriere als die hilfsreichste erweisen mag. Darüber hinaus empfiehlt sich ein Auslandssemester in einem populären Staat, etwa den USA. Zwar kann – entgegen den häufig gezeigten Vorstellungen – nicht erwartet werden, während des Besuchs wertvolle fachliche und methodische Kompetenzen zu gewinnen, doch stellt ein solcher  Aufenthalt stets einen Vorzug im Lebenslauf dar. Allerdings muss auch hier unbedingt die Konkurrenzsituation am Institut berücksichtigt werden: Ist absehbar, dass die eigene Position nach der Rückkehr, etwa durch den Verlust des HiWi-Vertrages, geschwächt sein wird, sollten die Prioritäten offenkundig sein. Strategisch günstiger wäre es, schon relativ zu Beginn des Studiums ein Auslandssemester zu absolvieren, solange noch kein Status erreicht ist, der durch lange Abwesenheit gefährdet sein könnte.

Auch die Arbeit in universitären Gremien kann sich als zweischneidiges Schwert erweisen. Allgemein ist vermutlich die streitbare Vertretung studentischer Interessen für eine spätere universitäre Karriere eher von Nachteil, zumal eine solche Tätigkeit viel Zeit verschlingt, die andernfalls idealerweise in die eigene Arbeit investiert würde. Ausnahmen können lediglich in seltenen Fällen auftreten, in denen auf diesem Weg der Kontakt zu hohen Positionen, zum Beispiel in Politik oder Verwaltung, hergestellt wird. Auch „Partyräte“, die sich hauptsächlich der Organisation von  studentischen Vergnügungen widmen, sind bei Angehörigen der Professorengruppe, deren Interesse es zu gewinnen gilt, gering angesehen.
Andererseits jedoch ist die Mitgliedschaft in einem Gremium für ein strategisches Bündnis mit einem Lehrstuhl nutzbar, indem dort verdeckt oder offen dessen Interessen vertreten werden, was sich im Gegenzug durch spätere Förderung auszahlen mag. Zudem verlängert Gremienarbeit in der Regel die Fristen für BAföG-Zahlungen, lässt den Lebenslauf vorteilhafter erscheinen und ist auf diese Weise bei der Bewerbung auf Stipendien von großem Nutzen.
Die Erlangung eines Stipendiums indes gehört neben der HiWi-Stelle zu den Hauptzielen des Studiums auf dem Weg zur universitären Karriere. Die Vorteile der finanziellen Erleichterung seien dabei dahingestellt – das hauptsächliche Interesse liegt auch hier in der Optimierung des Lebenslaufes, der wiederum für die Bewerbung auf weitere Stipendien für Promotion und Habilitation sowie für die spätere Stellenbewerbung von überragender Bedeutung ist. Zudem sind viele Stipendien mit Seminarprogrammen u. ä. verbunden, die das frühe Knüpfen von Kontakten, den Gewinn des vielbeschworenen „Vitamin B“, begünstigen. Spätestens bei der Stipendienbewerbung wird so auch der Notenspiegel relevant. Es versteht sich von selbst, dass dieser möglichst erstklassig
ausfallen sollte, allein um nach dem Ende des Studiums überhaupt zur Promotion zugelassen zu werden.
Daher bewahrheitet sich erneut der Grundsatz, keinesfalls interessen-, sondern personengeleitet zu studieren. Ob ein Prüfer bzw. eine Prüferin qualifiziert ist oder interessante Themen vergibt, darf bei der Ausrichtung des Studiums allenfalls am Rande Beachtung finden. Abgesehen von der Rücksicht auf den eigenen professoralen Arbeitgeber, der in der Regel erwartet, dass Prüfungen über sein Fachgebiet stets bei ihm abgelegt werden, sollte die Auswahl der Prüfer allein der Notenerwartung Rechnung tragen.